Wenn Nähe Angst macht
Viele Menschen spüren Angst, wenn jemand zu nah kommt.
Nähe bedeutet dann nicht Geborgenheit, sondern Bedrohung.
Der Wunsch nach Verbindung ist da – und zugleich der starke Impuls, sich zurückzuziehen.
Was das Autonomiemuster bedeutet
Im Autonomiemuster wird Nähe als Vereinnahmung erlebt.
Distanz vermittelt Sicherheit und Selbstbestimmung.
Rückzug wird zur Überlebensstrategie.
Das führt zu einem ständigen inneren Konflikt:
Ich sehne mich nach Beziehung – und sobald sie entsteht, fühle ich den Drang, mich zu entfernen.
Wie sich das zeigt
- Bindung weckt das Gefühl, Freiheit zu verlieren.
- Der Wunsch nach Kontakt schlägt in Flucht um, sobald Nähe entsteht.
- Rückzug, Kälte oder Schweigen dienen als Schutz.
- Partnerschaften fühlen sich an wie ein Wechsel zwischen Sehnsucht und Distanz.
Scheinbare Vorteile der Distanz
Für das Nervensystem scheint Distanz Vorteile zu haben:
- das Gefühl von Unabhängigkeit
- die Illusion von Sicherheit
- die Vermeidung von Schmerz durch mögliche Vereinnahmung
Doch in Wahrheit bleibt Nähe immer unerfüllt – weil sie sofort von Angst überlagert wird.
Wie Angst entsteht
Die Angst in diesem Muster hat meist ihren Ursprung in frühen Erfahrungen:
- Nähe wurde als überwältigend erlebt (z. B. durch symbiotische Mutter, übergriffige Eltern).
- Autonomie war bedroht – das Kind konnte keinen eigenen Raum haben.
- Oft war das Kind nie wirklich in Kontakt – es blieb auf sich allein gestellt, ohne sicheren Bezug.
So verknüpft das Nervensystem:
Nähe = Gefahr
Distanz = Überleben
Die Wahrheit der Liebe
Doch wahre Liebe ist weder Vereinnahmung noch Flucht.
Liebe lässt Raum – und kennt zugleich Verbindung.
Nähe ist möglich, ohne das Selbst zu verlieren.
Heilungsweg
Der Weg der Heilung ist die Rückkehr ins Sein:
- Den Körper wahrnehmen, wenn Nähe Angst macht.
- Der Angst Raum geben, ohne sie sofort mit Rückzug zu beantworten.
- Schrittweise Nähe erproben – behutsam, im eigenen Tempo.
- Vertrauen: In Gott bin ich frei – und zugleich verbunden.
Herz-Essenz
- Ich darf Nähe zulassen – ohne mich zu verlieren.
- Freiheit und Verbindung gehören zusammen.
- Wahre Liebe überfordert nicht, sie schenkt Raum.
- Ich kann da sein, auch wenn Angst auftaucht.
- In Gott ist mein Wesen frei und zugleich eins mit allem.
Wahre Freiheit
- Wahre Freiheit braucht keine Flucht.
- Nähe ist möglich, ohne meine Autonomie aufzugeben.
- In der Gegenwart Gottes gibt es keine Bedrohung – nur Sein.
