Viele Menschen erleben Selbstliebe und Grenzen setzen als Gegensätze.
Entweder ich bin liebevoll – oder ich grenze mich ab.
Entweder offen – oder geschützt.
Doch in der Tiefe gehören beide zusammen.
Ein verbreiteter Irrtum
Grenzen setzen wird oft verstanden als:
- sich hart machen
- Mauern bauen
- Nein sagen aus Abwehr
- Distanz schaffen, um nicht verletzt zu werden
Das ist Selbstschutz – manchmal notwendig,
aber nicht das Gleiche wie Selbstliebe.
Was wahre Selbstliebe hier bedeutet
Wahre Selbstliebe fragt nicht zuerst:
Was muss ich tun?
sondern:
Was ist mir jetzt stimmig?
Grenzen entstehen dann nicht aus Angst, sondern aus innerer Klarheit.
Nicht: Ich muss mich schützen.
Sondern: Ich nehme mich ernst.
Grenzen aus Selbstliebe
Grenzen aus Selbstliebe sind:
- ruhig statt hart
- klar statt erklärend
- einfach da, ohne Rechtfertigung
Sie müssen nicht begründet werden.
Sie entstehen aus dem feinen Spüren:
Bis hier bin ich in mir – darüber hinaus verliere ich mich.
Der feine Unterschied
- Grenzen aus Angst trennen
- Grenzen aus Selbstliebe ordnen
Grenzen aus Selbstliebe lassen Beziehung zu –
weil du bei dir bleibst.
Verkörpert im Alltag
Selbstliebe zeigt sich hier ganz schlicht:
- ein Nein, das nicht verteidigt werden muss
- ein Ja, das aus dem Körper kommt
- ein Rückzug ohne Schuldgefühl
- ein Bleiben ohne sich zu verbiegen
Bleiben, ohne sich zu verbiegen, heißt:
im Kontakt sein, ohne sich innerlich zu verlassen.
Anwesend bleiben, ohne sich anzupassen oder zu glätten.
Nah sein – und sich dabei nicht verlieren.
Die tiefere Wahrheit
Auf der tiefsten Ebene braucht Selbstliebe keine Grenzen.
Denn das, was du in Wahrheit bist, ist weit und unbedroht.
Im Menschsein geben Grenzen dem Inneren eine Form,
mit der es der Welt begegnen kann.
Das Grenzenlose will im Begrenzten erfahrbar werden
und bleibt dabei immer frei.