Menschsein bedeutet, dem Leben wirklich zu begegnen.
Mit allem, was dazugehört.
Mit Körper, Geist und Seele.
Mit Licht und Schatten.
Mit Freude und Schmerz.
Mit Sicherheit und Unsicherheit.
Mit Nähe und Rückzug, Bewegung und Stille.
Menschsein bedeutet, das Leben nicht nur verstehen oder geistig erfassen zu wollen, sondern es zu erfahren, zu fühlen und zu verkörpern.
Wir sind hier in einem menschlichen Körper, mit Gefühlen, Bedürfnissen, Beziehungen, Grenzen, Sehnsüchten und Verletzlichkeit. All das gehört zu unserer Erfahrung.
Der Weg in die Tiefe des Seins führt deshalb nicht aus dem Menschlichen heraus.
Er führt mitten hinein.
Das ganze Leben darf da sein
Oft wünschen wir uns, bestimmte Erfahrungen möglichst schnell hinter uns zu lassen. Schmerz soll aufhören. Angst soll verschwinden. Unsicherheit soll Klarheit weichen. Schwierige Lebensphasen sollen sich lösen.
Doch Leben bewegt sich.
Es kennt Zeiten der Öffnung und Zeiten des Rückzugs.
Zeiten der Freude und Zeiten der Trauer.
Momente tiefen Vertrauens und Augenblicke, in denen wir unseren Boden verlieren.
Bewusstes Menschsein bedeutet, immer mehr die Fähigkeit zu entwickeln,
mit dem zu sein, was gerade da ist.
Zu fühlen, was gefühlt werden möchte.
Wahrzunehmen, was sich im Körper zeigt.
Zu erkennen, was uns bewegt.
Und dem eigenen Erleben Raum zu geben.
Nicht als passives Erdulden, sondern als lebendige Präsenz.
Aus diesem Raum kann etwas in uns weicher werden, sich lösen und neu ordnen.
Auch Freude will zugelassen werden
Dabei geht es jedoch nicht nur darum, schwierigen Erfahrungen bewusster zu begegnen.
Auch Glück, Liebe, Erfolg, Nähe, Genuss und Lebensfreude wollen wirklich empfangen werden.
Manchmal fällt uns gerade das erstaunlich schwer.
Wir erleben etwas Schönes – und schon entsteht die Angst, es wieder zu verlieren. Wir möchten einen besonderen Augenblick festhalten oder beginnen unbewusst, uns innerlich darauf vorzubereiten, dass er wieder vergeht.
Doch Freude entfaltet ihre Tiefe dort, wo wir sie ganz erleben können.
Wo wir uns erlauben, glücklich zu sein.
Zu lieben.
Zu genießen.
Uns berühren zu lassen.
Lebendig zu sein.
Ohne den Augenblick festhalten zu müssen.
Dann wird Freude zu einer Erfahrung des gegenwärtigen Moments.
Menschsein ist Verkörperung
Vielleicht besteht eine der tiefsten Bewegungen unseres Lebens darin,
immer vollständiger hier anzukommen.
Im eigenen Körper.
Im eigenen Herzen.
In unseren Beziehungen.
In unserem alltäglichen Leben.
Mit SEIN meine ich dabei unsere tiefste Wesensnatur – die stille, lebendige Gegenwart in uns,
die allem zugrunde liegt und bereits da ist, bevor wir uns über unsere Geschichte, unsere Rollen,
unsere Gedanken oder Vorstellungen definieren.
Dieses SEIN steht unserem Menschsein nicht gegenüber.
SEIN und Menschsein sind keine zwei voneinander getrennten Wirklichkeiten.
Unser Menschsein ist die konkrete Form, in der unsere tiefste Wesensnatur erfahren,
gelebt und sichtbar werden kann.
Durch unseren Körper.
Durch unser Fühlen.
Durch unser Lieben und unsere Verletzlichkeit.
Durch unsere Beziehungen.
Durch unsere Entscheidungen.
Durch Freude und Schmerz.
Und durch die Art, wie wir dem Leben begegnen.
Das SEIN bleibt damit keine geistige Idee und keine Erfahrung, die wir nur in besonderen Momenten von Stille oder Meditation berühren.
Es ist mitten im menschlichen Leben gegenwärtig und findet durch uns seinen lebendigen Ausdruck.
Ganz Mensch – ganz Sein
Für mich bedeutet Menschsein deshalb immer weniger, einem bestimmten Ideal entsprechen zu müssen.
Es bedeutet, gegenwärtig zu werden für das eigene Leben.
Die eigene Verletzlichkeit ebenso anzunehmen wie die eigene Kraft.
Die eigenen Schatten ebenso wahrzunehmen wie das eigene Licht.
Tiefe ebenso zuzulassen wie Leichtigkeit.
Und vielleicht liegt genau darin eine besondere Form von Freiheit:
dem Leben offen begegnen zu können,
es durch sich hindurchfließen zu lassen
und sich inmitten all seiner Bewegungen immer tiefer im eigenen Sein zu erfahren.
Menschsein – die lebendige Verkörperung unserer tiefsten Wesensnatur.
Mensch-SEIN

Lies dazu gerne den Beitrag: „Was ist SEIN?“