Warum haben wir machmal Angst vor Freiheit?

Wir wünschen uns oft so sehr, uns frei zu fühlen – leicht, unbeschwert und ganz bei uns selbst.
Und doch spüren wir genau dann, wenn ein Schritt in Richtung Veränderung ansteht, manchmal eine unerwartete Angst oder Enge im Brustraum.

Das ist völlig verständlich. Denn innere Freiheit bedeutet auch: Kontrolle loszulassen, vertraute Gewohnheiten aufzugeben und sich der Welt ungeschützt zu zeigen.

Das Bekannte gibt scheinbare Sicherheit

Ein Teil in uns ist vor allem auf Sicherheit ausgerichtet. Für diesen Teil gilt eine ganz einfache Regel:

Das Bekannte ist sicher – selbst wenn es uns beengt oder schmerzt.
Das Unbekannte fühlt sich erst einmal gefährlich an – selbst wenn es die ersehnte Befreiung wäre.

Dieser Teil in dir möchte dich beschützen. Er sagt nicht bewusst: „Ich will keine Freiheit.“ Er flüstert eher ganz leise: „Bleib lieber im Vertrauten. Das kennen wir bereits, hier wissen wir, wie wir durchkommen.“

Alte Rollen ablegen ist wie ein Kontrollverlust

Im Laufe unseres Lebens gewöhnen wir uns an bestimmte Rollen und Selbstbilder: „Ich bin die, die immer stark sein muss“ oder „Ich muss mich anpassen, um geliebt zu werden“.

Selbst wenn diese Rollen schwer werden, geben sie uns Halt. Wenn sich nun etwas lösen möchte, fühlt sich das für unseren Verstand schnell wie ein Kontrollverlust an. Ein Gefühl von: Wer bin ich eigentlich, wenn ich das alles nicht mehr aufrechterhalte? Genau aus dieser Unsicherheit entsteht innerer Widerstand.

Dein Schutzanteil meint es gut mit dir

Die Muster, Gedanken und Ängste, die dich scheinbar blockieren, sind keine Gegner. Es sind oft alte Schutzmechanismen eines verletzten Herzens. Sie haben jahrelang dafür gesorgt, dass du nicht zu sehr verletzt wirst. Sie versuchen nur, dich zu beschützen – mit den einzigen Mitteln, die sie damals gelernt haben.

Das Wesentliche dabei ist: Du bist nicht dieser Widerstand. Und du bist nicht die Angst.

All das bewegt sich in dir, aber es ist nicht dein Ursprung. In dir gibt es immer einen Raum, der von all diesen alten Geschichten unberührt geblieben ist. Still, weit und auf eine ganz natürliche Weise frei.

Echte Freiheit braucht kein Wegmachen

Freiheit bedeutet nicht, dass Angst, Enge oder Zweifel nie wieder auftauchen dürfen.
Sie beginnt genau da, wo du aufhörst, gegen dich selbst anzukämpfen.

Wenn du erlaubst, dass die Anspannung da sein darf, verliert sie ihre Macht. Du musst nichts erzwingen, nichts reparieren und nichts wegmachen. In diesem einfachen Bleiben und Durchatmen öffnet sich ganz von allein wieder mehr Weite, Ruhe und der Raum für dein eigentliches Sein.


→ Lies dazu auch den Beitrag: Was ist wirkliche Freiheit?